Neue Verzollungslösung für C&A Schweiz
Das Modehaus C&A importiert sein gesamtes Angebot in der Schweiz über ein zentrales Verteil- und Logistikzentrum. Da die Schweiz nicht der Europäischen Union (EU) angehört, müssen diese Einfuhren verzollt werden. Dank einer neuen Verzollungslösung hat sich der Warendurchlauf gegenüber dem bisherigen Verfahren um einen halben Tag verkürzt.
Mode ist ein schnelllebiges Geschäft.
Laufend neue Trends bewirken innerhalb
von wenigen Tagen enorme Nachfragespitzen
im Verkauf. Wer dann nicht mit den
richtigen Produkten auf dem Markt ist, hat
das Nachsehen. Das gilt besonders für die
Warenhäuser und Detaillisten mit ihrem
hohen Umschlagsvolumen. Das Modehaus
C&A, das seinen europäischen Hauptsitz in
Brüssel hat und in der Schweiz über 34 Ladengeschäfte
verfügt, importiert Bekleidungsstücke
sowie Meterwarenstoffe von
den C&A-Konsolidierungszentren in Nachbarländern
der Schweiz und von anderen
ausländischen Lieferanten. Die Wettbewerbsfähigkeit
von C&A gründet sich u.a.
auf die logistische Fähigkeit zur Sicherung
des optimalen Time-to-Market. Und hier
spielt neben klassischen Standortfaktoren
und einer flexiblen Handhabung der Zollvorgänge
besonders die IT eine entscheidende
Rolle.
Logistische Knacknuss:die schnelle Verzollung
In die Schweiz importierte C&A-Produkte
gelangen zunächst in das zwischen
Bern und Zürich gelegene Verteilzentrum
Brunegg im Kanton Aargau. Dort werden
die Kleidungsstücke und Stoffe entladen
und innerhalb von 48 Stunden verkaufsfertig
aufbereitet, in Sendungen für die einzelnen
Filialen aufgeteilt und weiterspediert.
Außerdem findet dort – unmittelbar nach
Eintreffen der Sendungen – die Verzollung
statt. Denn die Schweiz gehört als eines der
wenigen Länder im europäischen C&A-Netz
nicht der EU an, innerhalb der die
Zollschranken längst aufgehoben sind.
Die eidgenössischen Zollbehörden haben
durch eine flexible Gestaltung der Verzollung
versucht, den Standortnachteil der
vollständig von EU-Ländern umgebenen
Schweiz auszugleichen. Importeuren, die
durchschnittlich mindestens 20 Zolldeklarationen
pro Tag anzumelden haben, wird
erlaubt, die Zollformalitäten am eigenen
Domizil – und nicht wie sonst üblich an der
Landesgrenze – zu erledigen. Im Gegenzug
müssen diese Unternehmen den Zollorganen
an ihrem Domizil die Infrastruktur zur
Kontrolle von Stichproben der Ware zur
Verfügung stellen. Mit seinen jährlich rund
50.000 Zolldeklarationen genießt auch das
Distributionszentrum in Brunegg diesen
zolltechnischen Sonderstatus. Die dank IT
und Datenkommunikation möglich gewordene
Vorerfassung der Importsendungen
beschleunigt den Verzollungsvorgang zusätzlich.
Die Zolldokumente können in der
Regel bereits vor dem Eintreffen der Lastwagen
im Verteilzentrum vorbereitet werden.
Zuverlässiger Datenzugriff
Die IT-Infrastruktur von C&A in der
Schweiz basiert auf einer Client/Server-Architektur.
Die PC-Clients sind über ein
Ethernet-LAN mit einem IBM AS/400-
Rechner sowie weiteren Microsoft Windows-
Servern verbunden. Die Anbindung
an das europäische IT-Service-Center in
Düsseldorf ist mit einer Standleitung realisiert,
die einzelnen Verkaufsgeschäfte in
der Schweiz sind über Frame-Relay-Verbindungen
angeschlossen. Die Software des
C&A-Logistikzentrums muss neben dem
physischen Warenfluss und seinen administrativen
Abläufen auch den Verzollungsvorgang
mit der Vorerfassung der Warendaten
abbilden können.
Im vergangenen Jahr entschloss sich
C&A Schweiz, die bisherige, wenig flexible
und nicht mehr ausreichend unterstützte
IT-Lösung zur Abwicklung der Zollformalitäten
durch moderne Software abzulösen.
Dabei ging es Fritz Holliger, Leiter des
C&A-Distributionscenters in Brunegg, vorrangig
darum, den durch das Verzollungsprozedere
zwangsweise entstehenden Zeitverlust
möglichst gering zu halten.
Die Wahl fiel auf die Standardlösung PowerZoll
des auf internationale Logistikanwendungen
spezialisierten Softwarehauses
Mercurio Technology GmbH. Die in der
Schweiz bei mehr als 120 Unternehmen
eingesetzte Standardsoftware wurde bei
C&A auf einem Compaq ML 370 Server unter
dem Betriebssystem Windows 2000 installiert.
Für die Anforderungen der Vorerfassung
hat Mercurio ihre Lösung speziell für C&A
um ein zusätzliches Modul erweitert. Die
für die Verzollung relevanten Daten werden
hierbei vorab im IT-Service-Center abgerufen
und in Brunegg in das Vorerfassungsmodul
eingegeben. Nach dem Eintreffen
der LKWs werden diese sofort entladen, die
Waren einer physischen Kontrolle unterzogen,
gewogen, etwaige Differenzen mit den
vorab erfassten Angaben bereinigt und einem
ergänzenden Plausibilitätstest unterzogen.
PowerZoll erstellt darauf automatisch
eine elektronische Zolldeklaration, die direkt
an das Zollamt übermittelt wird. Zur
Zeit wird untersucht, ob die per Fax in Brunegg
eingehenden Frachtdaten in digitaler
Form direkt in das Erfassungsmodul der
Software übernommen werden können,
denn damit würde auch die manuelle Datenerfassung
entfallen.
Entsprechend der acht bis zehn Lastwagen
mit 30.000 bis 80.000 Einzelteilen, die
täglich in Brunegg eintreffen, ist das Volumen
der zu verarbeitenden Daten beträchtlich.
Schlüsselkomponente für das Verzollungssystem
ist daher eine zuverlässige und
schnelle Datenbank, in der sowohl die vorerfassten
Daten als auch die elektronischen
Zolldeklarationen aller eingetroffenen Lieferungen – die der gesetzlichen Aufbewahrungspflicht
unterstehen – abgelegt werden.
Die Standardsoftware PowerZoll basiert
auf dem postrelationalen Datenbank-Managementsystem
Caché von InterSystems. Die
Programmierung erfolgte in der integrierten
Programmiersprache Caché Object-
Script. Das Design der Datenbank verbindet
SQL (Structured Query Language)- und
Objekt-Technologie. So kann eine Lösung
mit integrierter Caché-Datenbank sowohl
die Vorteile der relationalen als auch der
objektorientierten Welt nutzen. Vor allem
ist kein Mapping zur Abbildung der einen
Datenstruktur in der anderen erforderlich.
Damit entfällt auch der sonst für diese Konversion
erforderliche Verarbeitungs-Overhead.
Als weiteren Vorteil ermöglicht die
Architektur eine kompakte Datenspeicherung
und schnellen Datenzugriff über einen
integrierten Daten- und Applikationsserver.
Die Software ist über ein Caché-SQL-Gateway
mit dem AS/400-System verbunden,
so dass die vom Zollamt an den PowerZoll-Server zurückgesandten Daten der Zollgebühren
in das Warenbewirtschaftungssystem
von C&A eingespeist werden können.
Zudem ermöglicht es die Datenbankarchitektur,
die gespeicherten Inhalte in XML
(eXtended Mark-up Language)-Dokumente
umzusetzen. Diese können dann z.B. ohne
großen Aufwand für Web-Anwendungen
genutzt werden – für spätere Erweiterungen
der IT-Infrastruktur von C&A eine
wichtige Funktion. Insgesamt zeigt sich
Fritz Holliger zufrieden mit der neuen Software,
die nur vier Monate nach der Auftragserteilung
sofort – ohne Parallelbetrieb
mit der Vorgängerapplikation – eingesetzt
werden konnte und seit dem Umstieg im Januar
2002 ohne Unterbrechungen läuft.

